Perfektes Ergebnis: Platz 8 bei der Dakar

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Mit einem hervorragenden achten Platz in der LKW-Wertung endete die Rallye Dakar für das Team mit Franz Echter, Peter Göbel und Edwin van Dooren. Im Gesamtklassement inklusive PKW belegte das deutsch-holländische Trio sogar Platz 37.

Dass die Dakar nicht nur den Ruf der härtesten Rallye der Welt besitzt, bekommen einige Teams schon vor dem Start in Lissabon zu spüren. So werden die holländischen Race-LKW von Team de Rooy und Bekx nach der technischen Abnahme zuerst stillgelegt und später dann vom Veranstalter auf Grund nicht regelkonformer Antriebs- und Dämpfungssysteme disqualifiziert.

Für die beiden LKW des Tridec-MAN-Team gibt es keine formalen Hürden, statt dessen entpuppt sich die erste Wertungsprüfung in Portugal als zunächst unüberwindliches Hindernis. Tagelanger Regen hat die Piste derart aufgeweicht, dass die schweren LKW an fast jeder matschigen Stelle bis zu den Knien im Schlamm versinken. Am größten Loch bleiben gleich sieben von ihnen stecken, darunter auch Teamkollege Hans Stacy mit der Startnummer 524 und Franz Echter, Peter Göbel und Edwin van Dooren mit Nummer 530. Die Bergung dauert rund 25 Minuten, danach wird mit schwerem Gerät auch Kollege 524 aus der Falle gezogen.

Eine komplette Absage gibt es für die zweite WP auf europäischem Boden, nachdem sich ein tschechischer Tatra nach Böschungskontakt auf die Seite gelegt hat und die schmale Piste vollständig blockiert. Einige Teilnehmer dahinter treten zwar die Flucht über eine steile Böschung an, doch die frisch gelegten Spuren erweisen sich als extrem rutschig, keine zehn Minuten später verkeilen sich mehrere LKW zwischen Bäumen. Der Rest des Feldes wird umgeleitet, nachdem sich ein italiensiches Unimog-Team vor der Böschung verweigert.

Die ersten Prüfungen in Afrika erweisen sich zwar als überhol- und umkippfreundlicher, doch der Staub auf den steinigen Passagen macht den Teilnehmern nun das Leben schwer. Nach schnellen Passagen, bei dem auch der LKW locker an die erlaubte 150 km/h-Grenze kommt, folgen extrem harte Abschnitte im Kriechgang. Für die 498 KM-WP am sechsten Rallyetag benötigen wir im 700 PS-MAN neun Stunden und zwei Minuten, das entspricht einem Schnitt von gerade einmal 55 km/h.

Besser wird es erst, als in Mauretanien die ersten sandigen Passagen und Dünen auftauchen. Über 150 Kilometer verändert sich die Landschaft kaum, der ständige Blick auf die Gradzahl des GPS-Geräts ist der einzige Halt in der unendlichen Weite der Wüste. Fahrer Franz Echter ist hier in seinem Element, die Navigation klappt immer noch reibungslos und vor dem Ruhetag in Nuakchott liegt die 530 mit Echter/Göbel/van Dooren plötzlich auf Gesamtrang 6 der LKW-Wertung. Ein kleines Highlight gibt es zusätzlich. In den schlimmsten Dünen trifft die LKW-Crew auf Matthias Kahle, der sich mit seinem Buggy fast hoffnungslos eingebuddelt hat. Der Hecktriebler wird an den Haken genommen und so lange durch die weichen Dünen gezogen, bis der sechsfache Deutsche Rallyemeister wieder festen Boden unter den Füßen hat. "Es ist doch schön, wenn ein Beifahrer auf solche Weise seinem angestammten Fahrer helfen kann", meint Peter Göbel nach der gelungenen Rettungsaktion. 

Das ändert sich schon nach 150 km der folgenden und längsten WP der ganzen Dakar. Teamkollege und Ex-Rallyefahrer Hans Stacy wirft seinen LKW nach einer zu optimistischen Dünenüberfahrt auf die Seite und muss bis zum Eintreffen des zweiten Fahrzeugs warten. Nummer 530 wird zum Bergefahrzeug, die Aufstellarbeiten am neun Tonnen schweren Gerät dauern knapp vier Stunden. Allerdings wurde in der Hektik eine notwendige Saugpumpe am Stacy-Truck zerstört. Der Ersatz wird auf Grund der Platzierungen kurzerhand bei Echter ausgebaut, der durch die notwendige Notreparatur noch einmal über drei Stunden verliert, weil an jeder Düne der Sprit wegbleibt. Mechaniker Edwin muss auf den verbleibenden 250 Kilometern in der Nacht rund 30 Mal das Cockpit verlassen, um das System per Hand zu füllen, wenig später versagt auch noch die Kupplung. Als einzige Rettung erweist sich eine Dose Red Bull, mit der man das Ziel nach einer Fahrzeit von 17 Stunden und 11 Minuten endlich erreicht.

Der nächste Tag beginnt nach zwei Stunden Schlaf und den notwendigen Formalitäten beim Grenzübertritt nach Mali. Die Pisten werden besser und schneller, die Probleme auch. Der zu filigran geratene Aufbau der beiden roten LKW löst sich durch die Belastungen langsam aber sicher in seine Einzelteile auf, die Mechniker arbeiten jede Nacht bis zur Erschöpfung daran, dass beide LKW das Ziel Dakar in einem Stück erreichen können.

Die letzte Bewährungsprobe erwartet die Teams in Guinea. Die Begeisterung der Menschen ist hier zwar so groß wie in keinem anderen Land zuvor, doch die Pisten erweisen sich als materialmordend. Immer wieder zwingen enge Tracks die Teams dazu, im schneckentempo über die Felsen zu balancieren, für 348 KM vergehen über sieben Stunden bei extremster Belastung des ganzen Körpers, besonders im LKW. Als die Schinderei vorüber ist, ist der Senegal erreicht, eine letzte Etappe liegt noch vor den Teams. Diese ist im Vergleich zu allen anderen Etappen eine Autobahn, nur ein paar Windschutzscheiben fallen den tief hängenden Ästen zum Opfer. Dann plötzlich taucht Dakar im Roadbook auf, wenig später sogar in realer Form. 9043 Kilometer liegen hinter den Teams, von 74 gestarteten LKW haben es nur 32 bis zum Ziel geschafft. Ganz zum Schluss gibt es eine goldene Münze für diejenigen, die es geschafft haben, eine kleine Münze mit dem Logo der Dakar für 16 Tage Schinderei, einmal Duschen, zweimal Haare waschen, 14 Nächte im Schlafsack zwischen Stromaggregaten, Scheinwerfern und knatternden Motorrädern und startenden Flugzeugen des Veranstalters, die Essen, Trinken und die medizinischer Vorsorgung in die entlegensten Ecken der Welt gebracht haben.

In vielen Gesichtern taucht die Frage auf, ob man die Dakar noch einmal auf sich nimmt. Ein australischer Motorradfahrer ist ums Leben gekommen und zwei Kinder sind von Teilnehmern überfahren worden. Viele Köpfe werden noch Tage nach der Rallye ein apathisches NEIN schütteln. Doch wenn der erste Stess vorüber ist und die schönen Seiten der Rallye immer mehr Platz in den Gedanken einnehmen, rückt die Wahrscheinlichkeit näher, dass man es am Ende doch noch einmal tun würde. Für eine goldene Plakette und um vielleicht den achten Platz in der LKW-Klasse (und 37 Platz Gesamt) zu unterbieten. Wer weiß …

In der nächsten Zeit werden an dieser Stelle noch ein paar "andere" Berichte zur Dakar veröffentlicht, die Peter Göbel für einige Magazine verfassen wird. Das Logo der Dakar auf der Homepage von plusrallye.com bleibt deshalb noch für einige Tage online. Eine umfangreiche Fotoshow gibt es in der Galerie.

Endergebnis Rallye Dakar 2006 LKW-Wertung

1. Chagin / Jakubov / Savostin RUS – Kamaz

71:22:16 h

2. Stacy / Gotlib / der Kinderen NL – MAN

+ 2:21:09 h

3. Kabirov / Belyaev / Mokeev RUS – Kamaz

+ 3:05:25 h

4. Azevedo / Martinec / Justo BRE – Tatra

+ 5:30:51 h

5. Sugawara / Hamura J – Hino

+ 9:42:25 h

6. Vismara / Cambiaghi I – Mercedes

+ 11:13:04 h

7. Sugawara / Suzuki J – Hino

+ 12:42:13 h

8. Echter / Göbel / van Dooren D – MAN

+ 13:57:26 h

9. Sadlauer / Maier / Mayer A – MAN

+ 14:21:54 h

10. Reif / Pichlbaur / Huber A – MAN

+ 15:01:20 h

Gesamtwertung Rallye Dakar Total mit PKW

1. Alphand / Picard Mitsubishi Pajero

53:47:32 h

2. de Villiers / Thörner VW Race Touareg

+ 0:17:53 h

3. Roma / Magne Mitsubishi Pajero

+ 1:50:38 h

4. Peterhansel / Cottret Mitsubishi Pajero

+ 3:20:24 h

5. Miller / von Zitzewitz VW Race Touareg

+ 3:23:25 h


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Foto: Peter Göbel