Kahle/G

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Mit Rang 2 endet die AvD Sachsen-Rallye rund um Zwickau für Matthias Kahle und Peter Göbel. Mit ihrem neu aufgebauten Skoda Fabia S2000 landen die amtierenden Deutschen Meister nach ausgiebigen Testarbeiten hinter Felix Herbold, dem sie kurz vor Schluss zur Hilfe eilten.

Die offizielle Vorgabe von Skoda Deutschland ist klar: Wir nutzen die Sachsen-Rallye dazu, um das neue Auto kennen zu lernen und optimal für die kommenden IRC-Rallyes abzustimmen. Ein Blick auf die Zeitenliste ist zwar gestattet, aber der unbedingte Sieg mit aller Gewalt soll es nicht sein.

Hauptkonkurrent Felix Herbold hat die ersten beiden DRM-Rallyes des Jahres bereits dazu genutzt, um sich an seinen Super 2000-Fiesta zu gewöhnen. Das gelingt ihm mehr als gut, zwei Siege in Folge machen klar, dass der Weg bei der Sachsen-Rallye mindestens an ihm vorbeiführt. Matthias Kahle und Peter Göbel spulen im Vorfeld der Rallye zwar ein paar Test-Kilometer in der Nähe von Zwickau ab, doch mit dem generalüberholten Fahrzeug fehlt noch jede Routine.

Dennoch beginnt die Rallye für das Duo von Skoda-Deutschland zuversichtlich. Drei zweite Zeiten, fünf Mal unter den Top 3 bei insgesamt sechs Auftaktprüfungen am Freitag machen Mut. Am späten Abend liegt der Skoda Fabia S2000 mit der Startnummer 3 auf Gesamtrang 4, ganz vorne tobt Herbold im Fiesta S2000, dann folgen Teamkollege Mark Wallenwein im zweiten Fabia S2000 sowie ein gut aufgelegter Ruben Zeltner, der mit ein bisschen Heimvorteil den neu aufgebauten Porsche 996 GT3 mehr als spektakulär über die zum Teil welligen Pisten rund um Zwickau bewegt. Wie eng es ganz vorne zugeht, offenbart die Zeitentabelle. Die ersten vier Teams trennen bei der Einfahrt in den nächtlichen Parc fermé gerade einmal sechs Sekunden.

Auch Tag 2 verläuft für Matthias Kahle und Peter Göbel problemlos. Nur über die Zeiten von Felix Herbold und Co Michael Kölbach macht man sich ernsthafte Gedanken. Der Sprung von Platz 4 auf Gesamtrang 2 nach der achten WP passiert dann eher zufällig. Während Ruben Zeltner seinen Porsche mit Getriebeschaden in WP 8 abstellt, rumpelte Kollege Mark Wallenwein keine 100 Meter nach dem Start über einen Stein in der Innenkurve. Der Reifen ist platt, die Aufhängung nicht mehr ganz ok, der fällige Reifenwechsel kostete fast vier Minuten und die vorsichtige Gangart auf den verbleibenden Prüfungen vor dem rettenden Service kosten noch einmal Zeit. Am Ende bleibt für ihn nur Platz sieben im Gesamtklassement trotz einiger Bestzeiten.

Nach dem Ausfall von Zeltner schrumpft der Vierkampf an der Spitze auf die beiden Autos von Herbold und Kahle zusammen. Allerdings setzt sich Herbold auf den beiden längsten Prüfungen so deutlich vom Kahle-Fabia ab, dass dieser sich fortan nur noch auf die Optimierung des Fahrwerks konzentriert. Olaf Dobberkau kann als Vorjahressieger das Tempo an der Spitze ebenso wenig mitgehen, wie Lokalmatador Maik Stölzel in einem weiteren 911 GT3.

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Die dramatische Spannung kehrt aber plötzlich doch noch einmal zurück. Als Kahle/Göbel am Ziel der elften WP für den Eintrag zur WP-Zeit stoppen, steigt keine 800 Meter weiter Rauch am Horizont auf. Geistesgegenwärtig lädt man den großen Feuerlöscher der Zeitnehmer in den Fabia. Am Straßenrand steht der Fiesta S2000 von Felix Herbold, eine Entlüftungsleitung ist gebrochen, Öl tropft auf den heißen Auspuff, das Heck des Super 2000-Ford steht lichterloh in Flammen (Galerie). Die Bordlöscher von Herbold und Skoda-Kollege Wallenwein erweisen sich als zu schwach für das massive Feuer, doch mit Hilfe des mitgebrachten Löschers kann Beifahrer Michael Kölbach das Feuer ersticken. Doch der Brand soll nicht das Ende der Siegesfahrt sein.

Obwohl auch große Anbauteile durch die Hitze geschmolzen sind, setzt Herbold die Fahrt fort. Mit viel Mut gelingen dem Münchener noch einmal überraschend und nervenstark zwei Bestzeiten im stark verkohlten Fiesta. Für Kahle ist der Rückstand bereits zu groß, man begnügt sich mit einem zweiten Platz und erstaunlichen 51,9 Sekunden Abstand auf den Sieger. Platz drei geht an Olaf Dobberkau, der nach einer 40-Sekunden Zeitstrafe für einen Moment sogar hinter Maik Stölzel zurück fällt. Und auch dieser lässt sich kurz vor Schluss noch überholen, diesmal ist es Peter Corazza im Mitsubishi, der mit einer Bestzeit in der letzten Prüfung noch einmal voll aufdreht und sich auf Rang fünf spült.

Für die Skoda-Teams Matthias Kahle / Peter Göbel sowie Mark Wallenwein / Stefan Kopczyk gibt es bis zum IRC-Lauf in Tschechien (Barum Rallye in Zlín) noch einiges zu tun. Ein weiterer Fahrzeugtest vor der Rallye soll weitere Erkenntnisse über das Fahrzeug bringen. Danach wird man sehen, wie gut man sich gegen den IRC-Führenden Loix und Co behaupten kann.


Gesamtwertung AvD Sachsen-Rallye 2011 nach 14 WP über 147 km:
 

1.  Felix Herbold / Michael Kölbach        Ford Fiesta S2000 

       1:20:41,3 h

2.  Matthias Kahle / Peter Göbel  Skoda Fabia S2000      

+ 0:51,9 min

3.  Olaf Dobberkau / Alexandra König  Porsche 996 GT3 

+ 3:06,9 min

4.  Peter Corazza / Ronald Bauer  Mitsubishi Lancer Evo9      

+ 3:13,9 min

5.  Maik Stölzel / Thomas Windisch  Porsche 997 GT3 

+ 3:43,8 min

6.  Carsten Mohe / Katrin Becker  Renault Megane N4 

+ 4:34,5 min

7.  Mark Wallenwein / Stefan Kopczyk  Skoda Fabia S2000 

+ 4:50,6 min

8.  Maik Förster / Simon-Peter Fröhlich           Mitsubishi Lancer Evo6 

+ 6:09,3 min

9.  Ron Schumann / Tino Krajewski  BMW 320 is 

+ 10:15,3 min

10.  Mark Muschiol / Jenny Gäbler  Renault Clio Ragnotti 

+ 10:18,0 min

Weitere Links zur Rallye:

Homepage Rallye-Magazin.de
Homepage des Veranstalters
zur Fotoshow mit den dramatischen Bildern von der Löschaktion am Ford Fiesta S2000 >

Foto: Peter Göbel
Galeriefotos: Michael Brutz, Ralph Köhler (pro-picture.de), Sascha Dörrenbacher, Peter Göbel



Peter Göbel Deutscher Rallyemeister 2002, 2004, 2005, 2006, 2010 - Agentur plusrallye: Oldtimer | Rallye | Events